Wenn diese Phase so gestaltet wird, dass die Kälber mit einer optimierten Fütterung und ohne Gesundheitsprobleme aufgezogen werden, sind die Aufzuchterfolge und eine Leistungssteigerung in der späteren Milchviehherde realisierbar.

Welche Einflüsse wirken auf ein Kalb ein?

Einflüsse während der Trächtigkeit

Das Kalb wird bereits im Mutterleib der tragenden Kuh diversen Umwelteinflüssen ausgesetzt. So haben Stressfaktoren bedingt durch eine Überbelegung im Stall, Hitzestress sowie die Nährstoffversorgung des Muttertieres einen erheblichen Einfluss auf die pränatale Entwicklung des Kalbes. Die folgende Abbildung 1 verdeutlicht, welche Faktoren im Verlauf der Trächtigkeit die pränatale Entwicklung des Kalbes beeinflussen können.

JOSERA Grafik zeigt Umwelteinflüsse auf ein Kalb, die sich auf die Entwicklung auswirken

Abbildung 1: Faktoren, die die pränatale Entwicklung des Kalbes, beeinflussen.

Einflüsse durch darmpathogene Erreger

Bereits unmittelbar nach der Geburt besteht ein hohes Infektionsrisiko mit darmpathogenen Erregern, die in den ersten Lebenswochen zu Durchfallerkrankungen führen. Untersuchungen zeigen, dass ca. 75 % der infektiös bedingten Kälberverluste auf die darmpathogenen Erreger Kryptosporidien, Rota-, Coronaviren und Escherichia coli zurückzuführen sind.

Tabelle 1: Infektionsdurchfälle und ihre Merkmale

Durchfall-
erkrankung
Zeitpunkt des
Auftretens
Kot Besonderheit Behandlung
E-Coli 1.-5. Lebenstag flüssig, hell Bakterien,
Schnelles Sterben
der Kälber
Antibiotika in
Tränke, Hygiene,
Abkalbebucht
Rota-Corona 8.-15. Lebenstag flüssig, gelber Kot Viren,
Zunächst ohne
offensichtliche
Symptome
Mutterschutzimpfung
Kryptosporidien 6.-12. Lebenstag gelb, braun, grünlicher Kot Darmparasiten 7 Tage Halocur
eingeben, ab 5.
Lebenstag
Kokzidiose ab 6. Woche brauner, grüner,
dunklerflüssiger Kot
Streß u. Hygiene
als Auslöser
Durchfallpulver
(Tierarzt)

Während sich Rotaviren vorwiegend im oberen Dünndarmabschnitt vermehren, besiedeln Corona-Viren auch Teile des Dickdarmes. Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 2 Tage, sodass erregerbedingte Durchfallerkrankungen bei Infektionen um den Geburtszeitpunkt schon wenige Tage nach der Geburt auftreten können. Durch die Zerstörung der Darmzotten werden Nahrungsbestandteile nicht mehr absorbiert, was ein massives Krankheitsgeschehen zur Folge hat. Um das Risiko der Rota- und Coronaviren zu verringern, kann metaphylaktisch ein Muttertierimpfprogramm durchführt werden. Hierbei muss der richtige Zeitpunkt der Muttertierimpfung sowie eine disziplinierte Kolostrumversorgung unbedingt eingehalten werden.

Unter den Parasiten gelten die Kryptosporidien als primärer Durchfallerreger. Die Eier (Oozyten) der Parasiten werden mit dem Kot ausgeschieden und können bis zu 6 Monate unter Stallbedingungen infektiös bleiben. Somit besteht ein hohes Infektionsrisiko, da die Erreger beim adulten Tier keine klinischen Symptome verursachen, jedoch über den Kot innerhalb der Milchviehherde sowie vom Muttertier auf das Kalb übertragen werden. Die in der Biestmilch enthaltenen Antikörper sind gegenüber Kryptosporidien nahezu wirkungslos. Zur Behandlung von Kryptosporidien gibt es derzeit nur ein zugelassenes Präparat mit der Handelsbezeichnung Halocur®, das metaphylaktisch in den ersten Lebenstagen eingesetzt werden kann.

Für mehr Informationen kontaktieren Sie uns.

Einflüsse durch das Haltungsmanagement

Das Haltungsmanagement hat einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit und die Entwicklung der Kälber. Dies belegen die Ergebnisse einer aktuellen Versuchsdurchführung an der Lehr- und Versuchsanstalt Hofgut Neumühle. In den Untersuchungen wurde der Einfluss der Haltungsdauer im Iglu auf die Leistung und Gesundheit der Kälber untersucht.

Hierbei wurde die Versuchsgruppe bereits am 10. Lebenstag in die Gruppenhaltung umgestallt. Die Vergleichsgruppe hingegen wurde erst am 28. Lebenstag in die Gruppenhaltung umgestallt. Die Ergebnisse zeigten, dass der Stress bedingt durch das Umstallung am 10. Lebenstag für die Tiere deutlich höher war als am 28. Lebenstag. Der Rückgang der Tränkeaufnahme unmittelbar nach der Umstallung war bei den jüngeren Tieren stärker ausgeprägt als bei der Vergleichsgruppe, die nach 28. Tagen umgestallt wurde.

Dies führte über die gesamte Tränkephase hinweg zu einer geringeren Tränkeaufnahme und somit auch zu einer geringeren Energieaufnahme, was sowohl auf die Gesundheit, wie auch die körperliche Entwicklung signifikante Auswirkungen hatte.

JOSERA Beratungsgespräch

Fazit:

Die Ergebnisse belegen, dass durch eine Verlängerung der Iglu-Phase auf 28 Tage das Stressaufkommen zum Zeitpunkt eines geringen Immunschutzes in den ersten Lebenswochen reduziert wird und damit eine signifikante Verbesserung des Gesundheitszustandes in der Kälberaufzucht erreicht wird.

Die Kälbertränke: wie unterstützt sie eine erfolgreiche Kälberaufzucht?

In den ersten Lebenswochen ist die Kälbertränke die Hauptnährstoffquelle für das junge Kalb. Deshalb ist besonders in der frühen Tränkephase auf eine hohe Qualität der Tränke und eine bedarfsgerechte Ausstattung mit Nährstoffen zu achten.

In der Praxis wird hier sowohl Vollmilch als auch Milchaustauscher eingesetzt oder auch ein Gemisch aus beiden.

Bei alleiniger Vollmilchtränke ist darauf zu achten, dass das Defizit an Spurenelementen und Vitaminen über einen Ergänzer ausgeglichen wird.
Mehr Informationen zum Thema Vollmilchergänzer finden Sie hier.

Bei Kälberaufzucht mit Milchaustauscher ist in der Regel eine bedarfsgerechte Ausstattung vorhanden, zudem werden über spezielle Zusatzstoffe noch weiterführende Effekte erreicht wie z.B. Milchsäurebakterien zur Stabilisierung des Verdauungstraktes.

Einphasige Fütterung

Bei der Kälbertränke sind unterschiedliche Tränkekonzepte möglich. Bei der einphasigen Fütterung wird nach der Biestmilchphase auf einen Milchaustauscher umgestellt und bis zur Entwöhnung eine Sorte Milchaustauscher gefüttert.

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Für die schnellere Entwöhnung ist bei diesem sog. einphasigen Konzept nur die Variation der Tränkemenge und -konzentration möglich.

Unsere Empfehlung für die einphasige Fütterung:

JOSERA IgluVital

JOSERA Milk&Fat

Mehrphasige Fütterung

Dagegen bietet eine zweiphasige Fütterung von Milchaustauschern sowohl physiologische als auch ökonomische Vorteile.
Bei der zweiphasigen Tränke wird in der Iglu-Phase der Milchaustauscher IgluVital eingesetzt und in der 4. Woche ein gleitender Wechsel auf einen günstigeren Folgemilchaustauscher wie z.B. Optimil vollzogen. Durch die zweiphasige Fütterung werden mit IgluVital die besten Voraussetzungen für das junge Kalb in den ersten Lebenswochen geschaffen.
Beim Wechsel des Milchaustauschers sollten die zwei Sorten zur besseren Gewöhnung über mehrere Tage miteinander verschnitten werden.

Vorteile des mehrphasigen Tränkekonzeptes

  • Die spezifischen Eigenschaften der Milchaustauscher können besser auf die ernährungspysiologischen Anforderungen und den Bedarf des Tieres abgestimmt werden, wodurch eine sichere Aufzucht gewährleistet wird.
  • Erhöhte Wirtschaftlichkeit durch Kosteneinsparung bei gleichen Tageszunahmen

Milchaustauscher während der mehrphasigen Fütterung

Für die Bewertung des Milchaustauschers muss neben den Kriterien Preis und Zusammensetzung auch der Einsatzbereich betrachtet werden, da sich die ernährungsphysiologischen Anforderungen des Tieres in den jeweiligen Tränkephasen verändern.

In den ersten Lebenswochen ist der Verdauungstrakt des Kalbes mit seiner Enzymausstattung zunächst auf die Verdauung von Milcheiweiß und Lactose ausgerichtet. Deshalb sollte in den ersten Wochen nach der Biestmilch-Phase ein hochwertiger Milchaustauscher mit hohen Gehalten an Milchkomponenten eingesetzt werden.

JOSERA Frau mit Kalb im Stall

Hier eignet sich besonders der Milchaustauscher IgluVital, der speziell auf den Bedarf des neugeborenen Kalbes abgestimmt ist. Weitere Infos erhalten Sie hier.

Abbildung 2 verdeutlicht die Entwicklung der Enzymaktivität im Verdauungstrakt des Kalbes mit zunehmendem Alter.
Während Lactose unmittelbar nach der Geburt verdaut werden kann, können pflanzliche Kohlenhydrate erst mit zunehmender Sekretion der Enzyme Saccharase und Amylase aufgeschlossen werden.
Die Proteinverdauung des Kalbes basiert auf den Enzymen Chymosin, als spezifisches Ferment zur Spaltung von Milcheiweiß sowie Pepsin, das die Verdauung pflanzlicher Eiweißkomponenten ermöglicht. Das Verhältnis von Chymosin zu Pepsin beträgt beim jungen Kalb in den ersten Lebenswochen etwa 80 : 20.
Dieses Verhältnis verändert sich innerhalb weniger Wochen zu Gunsten des Pepsins. Aufgrund dieser Enzymentwicklung ist das Kalb ab der 3. Lebenswoche auch in der Lage pflanzliche Komponenten im Milchaustauscher zu verdauen.

JOSERA Grafik zeigt die Entwicklung der Enzymaktivität im Verdauungstrakt des Kalbes mit zunehmendem Alter

Abbildung 2: Entwicklung der Enzymaktivität im Verdauungstrakt des Kalbes mit zunehmendem Alter

JOSERA Logo we care, you grow

Die Aktivität von Verdauungsenzymen ist abhängig von der aufgenommenen Nahrung.
Das Enzymtraining erfolgt bereits in der Tränkephase durch die Aufnahme pflanzlicher Komponenten.

Unsere Empfehlung für die erste Phase der zweiphasigen Fütterung: 

JOSERA IgluVital

JOSERA Milk&Fat

Unsere Empfehlung für die zweite Phase der zweiphasigen Fütterung: 

JOSERA FE-Trank

JOSERA Optimil

JOSERA Supramil

Fütterung nach dem ad libitum Konzept

Zahlreiche Studien belegen, dass eine intensive Kälberernährung sich nicht nur auf die Entwicklung der Kälber in der Aufzuchtphase, sondern auch auf die spätere Lebensleitung der Milchkuh positiv auswirken. Lesen Sie mehr über die Ad libitum Fütterung.

Die höhere Lebensleistung lässt sich auf die Effekte der metabolischen Programmierung zurückführen. Das bedeutet, dass innerhalb der ersten 40 Lebenstage die Entwicklung der Organe und Euteranlagen positiv beeinflusst werden. Sehen Sie den Versuch dazu an!

Der Übergang zum Festfutter

Weiterführend ist eine optimale Festfutterversorgung der Kälber nach der Tränkephase nötig. Erfahren Sie in unserem Ratgeber zu Kälber Trocken TMR mehr dazu!

JOSERA Milchaustauscher im Überblick

Einphasige Fütterung
Milk & Fat 50 % Magermilchpulver
Express 35 % Magermilchpulver
Brillant 25 % Magermilchpulver
GoldenSpezial Molke/ (Pflanze)
Mehrphasige Fütterung
1.Phase 2. Phase
IgluVital
60 % Magermilchpulver
Weitere Kombinationen siehe auch oben
Optimil Molke / Pflanze
Supramil Molke / Pflanze
FE-Trank Molke / Pflanze

Beispiele für die Tränkepläne für die Kälberaufzucht

JOSERA Tränkeplan für die Kälberaufzucht
JOSERA Tränkeplan für die intensive Kälberaufzucht

Sie haben Fragen zu den JOSERA Milchaustauschern oder benötigen Hilfe bezüglich Ihrer Kälberaufzucht? Sprechen Sie uns an, wir helfen Ihnen gerne weiter.

FAQ – Durchfall

Als wichtigste prophylaktische Maßnahme ist auf die Hygiene im Abkalbestall und ein sauberes Arbeiten bei der Geburtshilfe zu achten, da hier die erste Übertragung vom Muttertier auf das neugeborene Kalb stattfindet. Auch ein regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren der Iglus vor jeder neuen Belegung sollten zur Routine im Betrieb gehören. Insbesondere bei Kryptosporidien-Durchfällen ist darauf zu achten, dass zur Desinfektion der Kälberboxen ein antiparasitär wirkendes Mittel eingesetzt wird.

Als Behandlungsmaßnahmen für bereits erkrankte Tiere sollte zwischen den Fütterungszeiten VitalTrunk als Elektrolyt-Tränke angeboten werden, da das durchfallkranke Kalb über den Darm große Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten (Natrium, Kalium, Chlorid, Hydrogenkarbonat) verliert. Durch die Ausscheidung der Puffersubstanzen sinkt der pH-Wert im Blut, was als metabolische Azidose bezeichnet wird.
Sofern die Kälber noch selbstständig trinken, sollte die Milchtränke fortgesetzt werden, um die Deckung des täglichen Energiebedarfs aufrechtzuerhalten.

Um den Wasserverlust bei akutem Durchfall zu reduzieren, empfehlen wir Curavit mit einer täglichen Dosierung von 2 g/kg Lebendmasse in die Milch einzurühren. Curavit enthält diätetischen Komponenten mit einer hohen Quelleigenschaft, die den Flüssigkeitsverlust reduzieren. Gleichzeitig wird über Curavit die erhöhte Ausscheidung an Puffersubstanzen ausgeglichen und der Wasser-Elektrolyt-Haushalt aufrechterhalten.

  • Zu hohe oder zu niedrige Tränketemperaturen (Optimaltemperatur: 39 – 40°C)
  • Falsches Milchaustauscher-Konzentration (Optimum: 125g/Liter Tränke bzw. 140g/Liter Wasser)
  • Tränkemenge (4 bis 8 Liter pro Tier und Tag sollten abhängig von der Tränkephase vertränkt werden – werden 1,5 kg Kraftfutter aufgenommen, sollte mit dem Abtränken begonnen werden)
  • Hygiene
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  • Hastiges Saufen (bspw. durch kaputte Nuckel, usw.)

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In der Trockenstehphase und während der Laktation werden Milchkühe häufig mit Antibiotika behandelt. Hierbei kommen in der Regel Penicilline in Kombination mit Aminoglycosiden und Cephalosporine zum Einsatz.


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